Brünn / Brno

Mähren, Tschechien

Lage: Hauptstadt von Mähren (in zentraler Lage) an der Schwarza(wa), die von den böhmisch-mährischen Höhen kommend, der Thaya zufließt, und der Mündung der Zwitta(wa), die aus dem Schönhengstgau von Norden kommt. Dazu noch ehemals deutsche Dörfer im Süden und das noch weiter südlich gelegene Woikowitz.

Gründung: der deutschen Sprachinsel im 13. Jh., nach Ausweis der Sprachwissenschaft von Niederösterreich aus, als befestigter Ort schon früher genannt, zuverlässig 1131 "ad Brennensem". 1243 Niederschrift des deutschen Stadtrechtes der Stadt Brünn, das demjenigen von Wien und von Nürnberg ähnlich ist. Frühzeitige Blüte als bedeutende Handelsstadt, im 14. Jh. ¾ der Bürger deutsch, mit Familiennamen, die nach Niederösterreich weisen. Ursprüngliche brückenartige Verbindung des Brünner Raumes mit Südmähren riß später ab, wodurch die Lage als Sprachinsel ganz zum Ausdruck kam. Mit 1350 Beginn tschechischer Unterwanderung, die im 19. und 20. Jh. zu einer Umkehr des Bevölkerungsverhältnisses führt. Enge kulturelle Kontakte mit Wien, die nach dem Ersten Weltkrieg durch die Bildung des tschechoslowakischen Staates gestört, aber nicht abgebrochen werden. 1945 Ausweisung der Deutschen unter härtesten Bedingungen und großen Verlusten an Menschenleben (Brünner Todesmarsch am 31. Mai 1945).

Sprache: in der deutschen Sprachinsel Brünn wurden zwei Mundartformen gesprochen: 1. eine charakteristische altniederösterreichische Landmundart in den Dörfern (mit ui für mhd. uo); man kann hier eine größere östliche Gruppe und eine westliche (Schöllschitz und Morbes) unterscheiden. 2. die leicht mitteldeutsch überlagerte Stadtmundart, die sich bis zuletzt gut am Stadtrand bei den Brünner Gärtnern erhielt. Im Stadtinneren wurde eine deutsche Umgangssprache mit auffallend hartem (vom Tschechischen beeinflußten) Akzent gesprochen.

Namen: für den Namen Brünn gibt es zahlreiche Deutungen, am glaubwürdigsten ist eine aus dem Keltischen mit der Bedeutung "Burg". Die ländlichen Orte hatten zumeist Namen slawischer Herkunft in entsprechender Eindeutschung. Die deutschen Familiennamen wurden auf Grund der Losungsbücher von 1343-1365 eingehend untersucht und bestätigen die Herkunft aus Niederösterreich. Flurnamen vorwiegend deutsch.

Volkskultur: charakteristisches Jahresbrauchtum in den Dörfern, gut erhaltene farbenfrohe Tracht. Blühende Industrie (Tucherzeugung) in der Stadt, dort auch reges Kulturleben mit bekanntem Theater, das Sprungbrett für Wiener Schauspieler (Leo Slezak) wurde. Gutes Schulwesen, das zahlreiche Persönlichkeiten des geistigen Lebens heranbildete (u.a. Gregor Mendel, Botaniker; E. Mach, Mathematiker und Philosoph). In den ländlichen Siedlungen Weinbau, Zuckerrüben, Gemüse; Sauerkraut.

Kulturpflege: nach der Aussiedlung Ausbildung landsmannschaftlicher Vereine in Deutschland und Österreich (D-7145 Markgröningen; "Bruna": Stuttgart; Wien und Linz).

Literaturnachweis: E. Schwarz, "Brünn", Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, Bd. I, 1935;

E. Schwarz, Sudetendeutsche Sprachräume. Zur Namengebung H. Zatschek, in: Zeitschrift für sudetendeutsche Geschichte, Bd. I, Prag 1937.

E. Tomschik, Brünn im Wandel der Zeit, 2. Aufl., Stuttgart 1984.