Budweis / Ceske Budejovice

Böhmen, Tschechien

Lage: in einer Beckenlandschaft zwischen dem Böhmerwald im Südwesten und dem böhmisch-mährischen Höhenzug im Nordosten an der Mündung der Maltsch in die Moldau, Höhe 387m.

Gründung: um 1200

Geschichte: die deutsche Sprachinsel Budweis wurde, wie der sprachwissenschaftliche Befund ergibt, aus Oberösterreich, der Gegend um Linz, das genau südlich von Budweis liegt, angelegt. Die erste Nennung des Namens erfolgt 1215 als Buduoyz, schon in eingedeutschter Form. Die Gründung der Stadt wurde 1265 bestätigt. Während des 14. Jhs. Blütezeit, Verleihung zahlreicher Privilegien an die Bürger. Rege Bergwerkstätigkeit im Norden und Nordosten der Stadt; 1557 arbeiteten 15 Silberbergwerke. 1785 Errichtung des Bischofsitzes von Budweis. Durch die Einbeziehung eines tschechischen Dorfes ("böhmische Gasse") in die Stadtgründung wohnten von Anfang an beide Volksgruppen zusammen (um 1880 in etwa gleicher Stärke - im Stadtkern Deutsche, in den Vorstädten Tschechen). Im 13. und 14. Jh. erlebten die zur Sprachinsel gehörenden Dörfer eine Hochblüte ihres Deutschtums, seither jedoch ständiger Rückgang und Schrumpfungsprozess (s. Skizze, vgl. Situation in Wischau). Als der Bergbau im 16. Jh. wieder erstarkte, kam neuer Zuzug in die Märkte Adamstadt und Rudolfstadt (letzteres 1575 zur Bergstadt erhoben und bis ins 20. Jh. mit starker deutscher Minderheit), vor allem von Protestanten aus der Steiermark und Kärnten. Rivalität und Streitigkeit mit der Stadt Budweis waren die Folge. Während des Zweiten Weltkrieges wurden Optanten aus den Sprachinseln Fersental und Lusern in der Budweiser Gegend angesiedelt. 1945 mußten sie ebenso wie die altansässigen Deutschen das Land verlassen.

Sprache: mittelbairische Mundart mit altoberösterreichischem Charakter in der Dörfern, Umgangssprache in der Stadt unter Einfluß des tschechischen Akzentes.

Namen: zum Teil wurden schon vorhandene slawische Namen im deutschen Mund umgeformt: z.B. Dubiken, Hodowitz, Strodentitz, zum anderen Teil gab es deutsche Neugründungen mit deutschen Namen, z.B. Pfaffenhöf, Schindelhöf, Adamstadt. Vielen deutschen Familiennamen standen zahlreiche tschechische gegenüber. Dabei zeigte sich Zuwanderung von allen Seiten.

Kultur: die Trachten der bäuerlichen Bevölkerung, aus schweren Stoffen, galten als die kostbarsten bis weit über Böhmen hinaus. Die städtische Welt der Bürger war durch den durch Tuchmacherei und Bergwerkswesen erworbenen Reichtum geprägt. Ihre Bedeutung im Handelsleben zeigt sich nicht zuletzt darin, daß 1832 die erste (Pferde-)eisenbahnstrecke im alten Österreich von Linz nach Budweis errichtet wurde.

Kulturpflege: Böhmerwaldmuseum in Passau und Wien III., Landsmannschaften in Wien und Linz, sowie Böhmerwaldbund (Heimatkreis Budweis) D-8233 Anger.

Literaturhinweis: K.A. Sedlmeyer, Budweis, Miesbach/Obb. 1979.