Dreizehn Gemeinden / Tredici Comuni

Ostoberitalien, Prov. Verona

Lage: Lessinische Alpen, nördlich von Verona, Illasital.

Gründungszeit: um 1280

Herkunft: Tochtersiedlung der Sieben Gemeinden mit neuem Zuzug von Lechtalern.

Geschichte: wehrhafte Freibauernsiedlungen zum Schutze Veronas und zur Versorgung der Stadt (Köhlerei). Nach zunehmendem Bedeutungsverlust und kurzer Zugehörigkeit zu Österreich-Ungarn seit 1866 bei Italien.

Sprache: westtirolische Altmundart, die zum sog. Zimbrischen zu rechnen ist (vgl. Sieben Gemeinden), und hier von den Einheimischen tautsch (deutsch) genannt wird. Heute ist diese Mundart nur noch im Kirchdorf Giazza (700-800m Seehöhe), deutsch Ljetzan (auch Glätzen), zur Gemeinde Selva di Progno gehörend, in Gebrauch und in ihrem Bestand in hohem Maße gefährdet. Schriftsprache ist das Italienische, Umgangssprache eine venezianische Landmundart.

Kulturgeschichte: die Bauweise wird durch die Verwendung von Steinplattendächern charakterisiert. Auffallend sind die Steinzäune aus senkrecht in die Erde eingelassenen Platten und die archaisch wirkenden Bildstöcke.

Ortsnamen: vordeutscher Herkunft, jedoch vielfach mit zimbrisch-deutscher Übersetzung: z.B. Erbezzo (zu erba "Gras, Kraut") - Wiesen. Die Namen der kleineren Siedlungen sind häufig deutsch, zeigen aber ital. morphologische Strukturen@: Beccherli zu zimbr. Bekch "Weg", etwa "bei den Leuten am Weg". Giazza zu rom. glacie(s) "Eis".

Kulturpflege: "Tautsche Püachar Haus" und Ethnologisches Museum in Giazza. Curatorium Cimbricum Veronense, Verona - Tregnago; Zeitschrift: Terra Cimbra und Vorläufer (Verona 1968ff.).

Bedeutung: die Struktur der Mundart ist ein wichtiges Zeugnis altdeutscher Sprachgestaltung westösterreichischer Herkunft, wenngleich sie wesentlich jüngere Züge zeigt, als die nahverwandte Mundart der Sieben Gemeinden. In letzter Zeit entstand eine beachtliche Dialektliteratur.

Literaturhinweis: neben den Werken von E. Kranzmayer (s. Sieben Gemeinden) zahlreiche z.T. unveröffentlichte Untersuchungen von Bruno Schweizer, die wertvolle Materialien liefern, abgesehen von der irrigen Auffassung, die Bewohner der Dreizehn Gemeinden stammten von den Langobarden ab, was sprachwissenschaftlich nicht haltbar ist. G. Cappelletti sowie F. u. C. Cipolla haben mehrere wichtige Publikationen veröffentlicht.