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Ostoberitalien, Prov. Udine
Lage: Talabschnitt zwischen Karnischen Alpen und Karawanken von der österr.-ital. Grenze bei Tarvis bis Pontafel / Pontebba mit Talwasserscheide bei Saifnitz / Camporosso zwischen Fella und Gailitz.
Geschichte: das Kanaltal ist keine Sprachinsel im eigentlichen Sinn. Bis zum Ersten Weltkrieg war es Teil von Kärnten bzw. - ganz im Osten (Weißenfels) - von Krain. Es hatte, ähnlich wie Unterkärnten, eine gemischtsprachige Bevölkerung, Deutsche und Slowenen, deren Sprache teilweise vom umgebenden Romanischen beeinflußt war. 1923 kam es zur Provinz Udine. Während des Zweiten Weltkriegs erfolgte auf Grund des Optionsrechts eine starke Abwanderung der deutschsprachigen Bevölkerung. Familien aus Friaul und Venetien rückten nach. Das Kanaltal ist heute die einzige Landschaft Europas, in der Angehörige der drei großen Völkerschaften (Germanen: Deutsche, Slawen: Slowenen, Romanen: Italiener und Friauler) neben- und miteinander wohnen. Während 80% der Bevölkerung den Italienern und Friaulern zuzurechnen sind, ist die Minderheit heute durch 20% alteingesessene Kärntner (deutsche und "windische") vertreten; insgesamt um 1980 10000 Einwohner. In manchen Orten haben sich z.T. durch Erholung und Rücksiedlung Deutschsprachiger sprachinselähnliche Zustände entwickelt. Saifnitz, Uggowitz, Wolfsbach und Leopoldskirchen sind gemischtsprachige Ortschaften, können aber keinesfalls als slowenische Zentren angesehen werden, wenn dieser Eindruck auch durch bestimmte Aktivitäten erweckt wird. Die Kärntner Mundart hat durch die Auslagerung gelitten, wird aber im Alltag noch gesprochen.
Ortsnamen : s. Karte
Volkskultur: die Ortsbilder wirken meist italienisch. Die geistige Kultur ist durch die verschiedenen Völkerschaften in eindrucksvoller Weise vielseitig geprägt. Symbolhaft dafür der Luschariberg mit seiner von allen Völkerschaften der Umgebung besuchten Marienwallfahrt.
Kulturpflege: die einzelnen Volksgruppen haben rührige Kulturvereine und bieten Abwechslungsreiches in Lied und Tanz. Trotz der sich gelegentlich ergebenden Spannungen darf das Kanaltal als ein Modellfall für das friedliche Zusammenleben dreier europäischer Völkerschaften in einem einzigen Raum angesehen werden. Trachtenerneuerung bei der deutschen Volksgruppe.
Literaturhinweis: E. Steinicke, Das Kanaltal, Innsbruck 1984. Mehrere Publikationen von Th. Veiter.
P. Treu, Il Tarvisiano, 3. ed.. Tolmezzo 1974. |