Neues vom Sprachinselverein Wien

Unsere Vereinsnachrichten

Vereinsnachrichten 2013

von admin (Kommentare: 0)

Rückblick 2013

Im abgelaufenen Vereinsjahr hat sich der Vorstand bemüht, die Zusammenarbeit mit befreundeten Instituten weiter zu intensivieren. Die von Familie Wohlschlager organisierte Filmreihe war auch 2013 ein großer Erfolg.
Am 10. April 2013 wurde der Beitrag „Òrbetn za kennen - Zeugnisse von Fersentaler Arbeiten“ gezeigt. Am 5. Juni 2013 sorgte der Film vom RAI-Südtirol „Die Plodar - Eine Minderheit sucht Zukunft“ für großes Besucherinteresse und anregende Diskussionen. „Willkommen in Friaul“ am 16.Oktober gab interessante Einblicke in Kulturaktivitäten im Kanaltal, einzelnen Orten in Friaul sowie in Zahre und Tischelwang.
Zwei Vorträge von Jungwissenschaftlern zu Sprachinselarbeiten rundeten die Aktivitäten im Vereinslokal ab. Am 6. März berichtete Mateusz Maselko, BA, über seine Forschungsreise nach Rio Grand do Sul in Brasilien und seine Masterarbeit
„Das Tempus-Modus-System des Riograndenser Hunsrückischen“. Am 6. November gab Mag. Martina Anissa Strommer, MA, eine Einführung in den Forschungsstand zu Unserdeutsch, der einzigen Kreolsprache, die auf der deutschen Sprache basiert. Im Anschluss daran zeigte sie eine Aufnahme des Theaterstücks "Unserdeutsch - ein dokumentarisches Südseemärchen", das die Sprach- und Lebenssituation dieser kleinen Sprechergemeinde künstlerisch interpretiert.

Im Juni besuchte die Vorsitzende den internationalen Kongress der europäischen Minderheiten in Brixen/Bressanone. Die Mitgliedsorganisationen verabschiedeten eine Petition an die EU zur besseren rechtlichen Absicherung von Minderheitensprachen. Frau Dr. Geyer nahm vom 12.bis 13. Oktober auch an der Jahreshauptversammlung des Einheitskomitees der historischen deutschen Sprachinseln in Italien in Roana teil. Im Rahmen der Versammlung wurde die
Publikation „Unsere Wörter“ in allen Varietäten der oberitalienischen Sprachinseln (ausgenommen das Kanaltal) vorgestellt, ebenso wie eine Reihe eigenständiger Veröffentlichungen der einzelnen Kulturvereine.

Im August nahm die Vorsitzende das erste Mal an der jährlich veranstalteten Gottscheer Kulturwoche auf Schloß Krastowitz teil. Sie stand unter dem Motto „Gottschee einst und heute“. Der Eröffnungsvortrag „Gottschee einst und heute.
Geschichte und Geschichten“ von Miha Petrovič, dem Sohn des ehemaligen Bürgermeisters von Kočevje/Gottschee, faszinierte nicht nur durch die große Fachkenntnis, sondern auch durch die anschaulichen Bilddokumente und die treffend
gewählten Untertitel zu den einzelnen Ortsgeschichten. Beeindruckend waren die Begegnungen mit Gottscheern aus der ganzen Welt. Die Vitalität dieser Sprachgemeinschaft liegt wohl in ihrem Festhalten an Gottscheer Traditionen, ihrem
internationalen Kommunikationsnetz und der gleichzeitigen Offenheit für Veränderungen und Neuerungen.

Sprachinseltagung in Arnoldstein vom 27.-29. September 2013

(Bericht I. Wohlschlager)

Einen besonderen Höhepunkt der Vereinstätigkeit stellte im Herbst dieses Jahres das „Sprachinseltreffen“ in Arnoldstein dar. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand eine wissenschaftliche Tagung mit zahlreichen Vorträgen, in denen die Geschichte
der von Tirol und Kärnten aus besiedelten Gebiete sowie die Sprache und das Schicksal ihrer Bewohner beleuchtet wurden. Darüber hinaus sollte dieses Treffen unter dem Motto „Grenzgänger einst und jetzt“ die Vertreter der verschiedenen
Sprachinseln zu einer Begegnung zusammenführen. Die letzte derartige Veranstaltung hatte vor mehr als 20 Jahren in Lienz stattgefunden.

In seinem Eröffnungsvortrag über die Hutterer ging Prof. Wilfried Schabus nicht nur auf die geschichtliche Entwicklung dieser Gemeinschaft ein, sondern erläuterte auch, warum die Sprache dieser Gruppe neben tirolischen auch zahlreiche kärntnerische Merkmale aufweist. Unter Karl VI. und Maria Theresia wurden nämlich auch viele Protestanten aus dem Spitaler Raum nach Siebenbürgen deportiert, schlossen sich dort der hutterischen Gemeinschaft an und wanderten 1847 mit dieser nach Amerika aus. Die weiteren Vorträge behandelten eine breite Palette von Themen, von der Rechtschreibung der Dialekte über die Veränderung des Wortschatzes bis hin zur ökonomischen Situation einzelner Sprachinseln. Bemerkenswert ist, dass die Sprachinselbewohner - wohl auf Grund ihrer Sprachkenntnisse - häufig als Wanderhändler tätig waren, etwa die Gottscheer, die Fersentaler und die Walser.

Neben den Vorträgen hatten die Kulturvereine aus den oberitalienischen Sprachinseln, dem Kanaltal und der Gottschee Gelegenheit, sich vorzustellen und Einblick in ihre Aktivitäten zu geben. Für eine eindrucksvolle musikalische Umrahmung der Beiträge sorgten der Zahrer und der Gottscheer Chor – letzterer trat sowohl in der neuen als auch in der historischen Tracht dieser Volksgruppe auf. Insgesamt stieß die Veranstaltung auf reges Interesse: bis zu 100 Zuhörer lauschten
aufmerksam den Vorträgen. Den Raum für die Tagung hatte der Bürgermeister von Arnoldstein, Herr Erich Kessler, im Kulturhaus freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Er selbst zeigte an der Veranstaltung großes Interesse und lud zum
Abschluss alle Teilnehmer zu einem Buffet mit Kärntner Spezialitäten ein. Dafür gebührt ihm besonderer Dank.

Die Durchführung dieser Tagung lag in den Händen unseres Vereins, wobei die Vorsitzende Dr. Ingeborg Geyer für die Idee und Planung des Ablaufs verantwortlich war. Vor Ort konnten wir auf die tatkräftige Unterstützung durch das Ehepaar Kogler zurückgreifen, das an der Vorbereitung und Organisation maßgeblich mitwirkte. Auch eine Delegation unseres Vereins war aus Wien zu der Veranstaltung in Arnoldstein angereist. Im Zuge dieser Fahrt wurde ein Abstecher in die slowenische Sprachinsel Resiatal unternommen. Unter sachkundiger Führung des Ehepaars Sandrini vom Kanaltaler Kulturverein konnten die Teilnehmer auch das neue Vereinshaus in Tarvis sowie die Klosteranlage in Moggio besichtigen. Auf der Heimreise standen noch ein Besuch in Tischelwang und eine Führung durch das Gailtaler Heimatmuseum , das
unser Mitglied Mag. Kogler betreut, auf dem Programm. Was bleibt von dieser Sprachinseltagung in Arnoldstein? Neben den vielfältigen Eindrücken und persönlichen Begegnungen auch ein neuer Impuls für die weitere Stärkung dieser unterschiedlichen Gemeinschaften in ihrer Kulturarbeit.

Wissenschaftliche Zusammenarbeit

In Zusammenarbeit mit dem Institut ISAL und der Gemeinde Zahre wurde der erste Entwurf einer Zahrer Grammatik von Frau Dr. Francesca Cattarin erarbeitet. Mit dem Dachverband der oberitalienischen Sprachinseln ist eine kleine Informationsbroschüre in Vorbereitung. Die Vorsitzende konnte für eine Pilotstudie „Wanderhändlertum und Sprachdynamikprozess am Beispiel Gottschee“ Drittmittel für die Digitalisierung einschlägiger Publikationen beim Hochschuljubiläumsfonds einwerben.

Eine große Bitte:

Der Mitgliedsbeitrag 2013 bleibt unverändert € 20,-. Wegen der erwarteten zusätzlichen Ausgaben 2014 bitten wir um freiwillige Erhöhung bzw. Spenden auf unser Vereinskonto: IBAN = AT96 1200 0006 0121 8704 / BIC = BKAUATWW)

Ausblick 2014

Weiterhin vordringlich bleiben die Fortsetzung der Digitalisierung der Bibliothekskartei und die Finanzierung der überarbeiteten Vereinsbroschüre sowie unserer Publikationsreihe.
Als Band 22 ist die Herausgabe der Habilitationsschrift von Frau Eva Markus „Die deutsche Mundart von Deutschpilsen/Nagybörzsöny“ in Vorbereitung. Auch der Band 23 befindet sich im Korrekturdurchgang mit ausgewählten Beiträgen von den Sprachinseltagungen 2010 und 2011.
Durch den Wegfall der Förderung von wissenschaftlichen Publikationen seitens des Bundes müssen auch dafür Drittmittel aufgebracht werden. Die Vereinshomepage muss nach mehr als 10 Jahren neu gestaltet und das Design aktualisiert werden.
Mit der Vorführung ausgewählter Video-Dokumentationen über Sprachinseln undVorträgen zu Sprachinselforschung wollen wir unsere Mitglieder wieder regelmäßig zu Veranstaltungen einladen und neue Mitglieder gewinnen.
Besonderer Dank für die ehrenamtliche Mithilfe und Unterstützung im abgelaufenen Vereinsjahr gilt allen Vorstands-, Beirats- und Vereinsmitgliedern. Ohne die kontinuierliche Unterstützung seitens des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, für die wir unseren aufrichtigen Dank aussprechen wollen, wären die ständige Betreuung der Bibliothek und der Aufbau der weiteren Dokumentation über die Sprachinseln nicht möglich.
Der Vereinsvorstand wünscht ein gutes, gesundes Neues Jahr und freut sich auf weitere gute Zusammenarbeit sowie zahlreiche Teilnahme an unseren Veranstaltungen.
Als Beilage finden Sie die sehr informative Sprachinselkarte, herausgegeben vom Einheitskomitee der historischen deutschen Sprachinseln in Italien. Wir danken dem Komitee für die großzügige Überlassung von 200 Stück dieser Broschüre für unsere Vereinsmitglieder.

Dr. Ingeborg Geyer e.h. Mag.                             Irene Wohlschlager e.h.
(Vorsitzende)                                                (Schriftführerin)

Wien, im Jänner 2014

Vereinsnachrichten 2013 als PDF zum Download

news2013.pdf (4,7 MiB)

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