Neues vom Sprachinselverein Wien

Unsere Vereinsnachrichten

Vereinsnachrichten 2015

von Heike Arnold (Kommentare: 0)

Rückblick 2015

Wie in all den Jahren zuvor hat sich der Vereinsvorstand auch 2015 wieder bemüht, die Aktivitäten und die Zusammenarbeit mit befreundeten Instituten weiter zu intensivieren. Die von Familie Wohlschlager organisierte Filmreihe war auch 2015 ein großer Erfolg und hat mit interessanten Diskussionen das Vereinsleben bereichert.

Am 19. Februar sahen wir eine Dokumentation über den „Zahrer Voschankh“ und einen Fotorückblick zur Sprachinseltagung 2014 in Lusern samt der anschließenden Exkursion. Am 29. April 2015 referierte Thorsten Seifter über „Die Konservierung des velarisierten Laterales bei den Gottscheer-Deutschen in der Steiermark“. Es folgte eine anregende Diskussion mit Wissenschaftlern und Gottscheer Sprechern.

Vor der Sommerpause sahen wir am 17. Juni anlässlich der vor 100 Jahren erfolgten Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn die Dokumentation „Krieg vor der Haustür – Tirol im 1. Weltkrieg“, in der auf das Schicksal der Sprachinseln im Trentino besonders eingegangen wurde.

Das Herbstprogramm begann am 30. September mit dem Film „Tiroler im Urwald – auf der Suche nach ihrer Identität“. Nach dem Ende der napoleonischen Kriege herrschte Armut in Europa. Zu dieser Zeit brauchte Brasilien infolge der Abschaffung der Sklaverei Arbeiter, die das Land bestellen. Den Menschen in Europa wurde Amerika als ein Ort beschrieben, wo alles besser sei. So wanderten viele Tiroler und Welschtiroler zwischen 1858 und 1875 nach Brasilien aus. Dort angekommen fanden sie jedoch nur tiefsten Urwald vor. Die Tiroler gründeten in der damaligen Provinz Espirito Santo die Siedlung Dorf Tirol, die Welschtiroler in der Provinz Santa Catarina Nova Trento. Der Regisseur Luis Walter besuchte für diesen Film die Tiroler Nachkommen in der fünften und sechsten Generation in Brasilien. Im Rahmen der letzten Veranstaltung im Vereinslokal wurde am 25. November 2015 die Dokumentation „Ein Jahr zwischen Tradition und Gegenwart in der Gemeinde Malborghetto-Valbruna“ (Kanaltal) aus dem Jahr 2006 gezeigt.

Vom 12. – 14. Juni nahm die Vorsitzende am 5. Internationalen Gottscheer Treffen in Bad Aussee teil, das für die Gottscheer aus aller Welt genauso wie die Kulturwoche auf Schloss Krastowitz die Möglichkeit bietet, bei einem interessanten Kulturprogramm viele neue Bekanntschaften zu schließen bzw. alte wieder aufzufrischen. Anfang August fand wieder die jährlich veranstaltete Gottscheer Kulturwoche auf Schloss Krastowitz statt. Die Veranstaltung stand diesmal unter dem Motto „50 Jahre Gottscheer Kulturwoche: das Jubiläum“. Die Vorsitzende nahm an der traditionellen Fahrt ins Gottscheer Land vor der offiziellen Eröffnung der Kulturwoche teil und hatte die Ehre, den Festvortrag am Eröffnungsabend halten zu dürfen, der dem Anlass entsprechend „50 Jahre Gottscheer Kulturwoche – Heimat und Identität“ behandelte.

Als Band 23 der Publikationsreihe des Vereins wurde im November das 213 Seiten umfassende Manuskript „Internationale Sprachinseltagungen 2010 und 2011 in Wien. Ausgewählte Beiträge“, hg. von Bettina Barabas und Barbara Piringer in die Druckerei gesendet. Die Auslieferung soll demnächst erfolgen.

Sprachinselreise 2015

Vom 30. Mai – 3. Juni 2015 wurde in Kooperation mit der ÖLM eine Busreise nach Südtirol und zu den deutschen Sprachinseln in Oberitalien organisiert. Die Anreise erfolgte über die alte Bischofsstadt Brixen nach Bozen, der ersten Zwischenstation. Stadtführungen und der Besuch von Schloss Tirol bei Meran sowie interessante Gespräche zur Sprachsituation in Südtirol ergaben ein dichtes Programm der ersten beiden Tage. Eindrucksvoll war die Weiterreise nach Proveis, der „Wiege des Deutschen Schulvereins“. Sie vermittelte den Reiseteilnehmern trotz bequemer Busreise eine Vorstellung über die Abgeschiedenheit dieser deutschen Siedlung an der Sprachgrenze. Über Lana, Kaltern und Tramin ging die Reise am 3. Tag weiter nach Lusern, der Tochtergründung der „Sieben Gemeinden“. Hier wurden wir von Vertretern der Kulturvereine über die derzeitige Sprachsituation, ihre Pläne und Initiativen zur Stärkung ihres Sprachinseldialekts informiert. Im Dokumentations-zentrum bekamen wir einen Einblick in die vielfältigen und umfangreichen Publikationen sowie die dokumentarischen musealen Leistungen. Beim Besuch der Festung Gschwendt (Forte Belvedere) wurde auf den Informationstafeln einmal mehr sehr deutlich und anschaulich das Schicksal der Bevölkerung des Hochplateaus im 1. Weltkrieg zwischen den Fronten aufgezeigt. Mit der Zerstörung der Siedlungen und Absiedlung der Bevölkerung aus dem Frontgebiet ging auch die Vitalität der zimbrischen Sprache verloren. Sie ist aber bis heute als Erinnerungssprache in den Dörfern und in den Dokumentationszentren präsent. Über Vicenza, Udine und Pontafel/Pontebba ging die Rückreise nach Tarvis. Für den letzten Abend war ein Besuch des Kanaltaler Kulturvereins organisiert worden und vor der Heimreise am letzten Tag ein Besuch in der Ingeborg-Bachmann-Schule. Ein herzlicher Dank an alle Repräsentanten der Vereine, die sich die Zeit genommen haben, uns über ihre Aktivitäten und Anliegen zu informieren!

Wissenschaftliche Zusammenarbeit

Vom Institut ISAL (Udine) und der Gemeinde Zahre wurde eine Broschüre zur Zahrer Rechtschreibung herausgegeben. Diese wurde von Frau Francesca Cattarin mit der Zahrer Gemeinschaft und der Vereinsvorsitzenden erarbeitet. Sie stellt eine wichtige Vorarbeit für die geplante Zahrer Grammatik dar, die 2016 publiziert werden soll.

Die Herausgabe der Broschüre „Wortschätze der Sprachinseln“ in Zusammenarbeit mit dem Einheitskomitee der historischen deutschen Sprachinseln hat nicht nur sprachinteressierte Laien angesprochen. Es ist inzwischen auch ein häufig verwendetes Instrumentarium in der wissenschaftlichen Lehre, das in Seminaren zu Minderheitensprachen, Plansprachen und kontaktlinguistische Studien Eingang gefunden hat.

Eine große Bitte:

Der Mitgliedsbeitrag 2015 bleibt unverändert € 20,-. Wegen der erwarteten zusätzlichen Ausgaben (Miete für das Vereinslokal, Porti) bitten wir um freiwillige Erhöhung bzw. Spenden auf unser Vereinskonto: IBAN = AT96 1200 0006 0121 8704 / BIC = BKAUATWW)

Ausblick 2016

Weiterhin vordringlich bleiben die Inventarisierung der Neuzugänge der Bibliothek und die Digitalisierung der Bibliothekskartei sowie die Fortführung unserer Publikationsreihe. Die Vereinshomepage wurde nach mehr als 10 Jahren technisch neu gestaltet und soll - in Ergänzung zu den bereits bestehenden Sprachinsel-Homepages - inhaltlich weiter aktualisiert werden.

Mit der Vorführung ausgewählter Video-Dokumentationen über Sprachinseln und Vorträgen zur Sprachinselforschung wollen wir unsere Mitglieder wieder regelmäßig zu Veranstaltungen einladen und neue Mitglieder gewinnen. Durch die Aufnahme in den „Kleinen Wiener Museumsführer“ erwarten wir zusätzliches Publikum ebenso wie durch die Kontakte zu Studierenden der Germanistik und Linguistik. Eine Exkursion mit Studierenden der Universität Regensburg unter der Leitung von Univ. Prof. Scheuringer ins Kanaltal ist im Herbst geplant. Die Vorsitzende wird auch weiterhin Beiträge zu Sprachinseln in Journalen und Sammelpublikationen verfassen und an wissenschaftlichen Tagungen zu Sprachminderheiten mit Vorträgen teilnehmen.

Besonderer Dank für die ehrenamtliche Mithilfe und Unterstützung im abgelaufenen Vereinsjahr gilt allen Vorstands-, Beirats- und Vereinsmitgliedern. Ohne die kontinuierliche finanzielle Unterstützung seitens des Bundesministeriums für Bildung und Frauen, für die wir unseren aufrichtigen Dank aussprechen wollen, wären die ständige Betreuung der Bibliothek und der Aufbau der weiteren Dokumentation über die Sprachinseln nicht möglich.

Der Vereinsvorstand wünscht ein gutes, gesundes Neues Jahr und freut sich auf weitere erfolgreiche Zusammenarbeit sowie zahlreiche Teilnahme an unseren Veranstaltungen.

Dr. Ingeborg Geyer e.h.                                                                                     Mag. Irene Wohlschlager e.h.
       (Vorsitzende)                                                                                                                (Schriftführerin)
                                                                 Wien, im Jänner 2015

Vereinsnachrichten 2015 als PDF zum Download

Vereinsnachrichten 2015-1.pdf (280,1 KiB)

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