Neues vom Sprachinselverein Wien

Unsere Vereinsnachrichten

Vereinsnachrichten 2014

von admin (Kommentare: 0)

Rückblick 2014

Im abgelaufenen Jahr hat sich der Vorstand wieder bemüht, die Vereinsaktivitäten und die Zusammenarbeit mit befreundeten Instituten weiter zu intensivieren. Die von Familie Wohlschlager organisierte Filmreihe war auch 2014 ein großer Erfolg.

Die Vorstellung des Film- und Dokumentationsprojekts „Die Ladiner – das Urvolk der Dolomiten“ von Claudia Gerstl und Tamara Diepold hat am 22. Jänner alle beeindruckt, nicht nur wegen der professionellen Gestaltung des Films, sondern auch wegen der Behutsamkeit und Begeisterung, mit der die beiden sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Am 19. Februar sahen wir eine Dokumentation über „Tischelwang/Timau – Geschichte, Sitten und Kultur zwischen Krieg und Frieden“ (2010). Die Filmvorführungen am 2. April standen unter dem Motto „Ein Besuch in den Sieben Gemeinden“: „De zeelichen Baiblen – ein vertontes Märchen“, „Dez Dink vo’ der Prucka, Roana“ und „Ostarmentak – Zimbrische Messe“. Im September wurde mit dem Dokumentarfilm „Dörfer, Gipfel und Schützengräben – Zeugnisse des Ersten Weltkriegs auf den Bergen rund um das Fersental“ bereits auf die Exkursion eingestimmt. Vor der Jahreshauptversammlung am 21. November hielt Mihael Petrovic einen äußerst informativen Vortrag mit Lichtbildern zu Gottscheer Dörfern einst und jetzt. Herr Petrovic faszinierte durch seine große Fachkenntnis, die anschaulichen Bilddokumente und die treffend gewählten Untertitel zu den einzelnen Ortsgeschichten.

Im August nahm die Vorsitzende wieder an der jährlich veranstalteten Gottscheer Kulturwoche auf Schloss Krastowitz teil. Die Veranstaltung stand diesmal unter dem Motto „Gottscheer pflegen Nachbarschaft. Einst und heute“. Es war wieder beeindruckend, Gottscheern und ihren Nachkommen aus der ganzen Welt zu begegnen.

Als Band 22 der Publikationsreihe des Vereins wurde im September die Habilitationsschrift von Frau Eva Markus „Die deutsche Mundart von Deutschpilsen/Nagybörzsöny“ herausgegeben. Der Band 23 mit ausgewählten Beiträgen von den Sprachinseltagungen 2010 und 2011 befindet sich im Korrekturdurchgang.

Mit dem Dachverband der oberitalienischen Sprachinseln, dem Einheitskomitee der historischen deutschen Sprachinseln, wurde die 192 Seiten umfassende Informationsbroschüre „Wortschatz aus den deutschen Sprachinseln in Italien“ erarbeitet und bei der jährlichen Hauptversammlung am 26. September in Lusern vorgestellt. Als Herausgeber zeichnen die Leiter der Arbeitsgruppe Ingeborg Geyer, Marco Angster und Marcella Benedetti. Die ansprechend gestaltete Broschüre gibt einen Überblick über die oberitalienischen autochthonen deutschen Sprachgemeinschaften und stellt ein umfangreiches Wortinventar von 12 Varietäten vor. Die Resonanz auf diese Broschüre ist sehr positiv, der Dank gilt vielen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Komitee, ohne die der Band nicht zustande gekommen wäre.

Für die Pilotstudie „Wanderhändlertum und Sprachdynamikprozess am Beispiel Gottschee“ wurden Drittmittel für die Digitalisierung einschlägiger Publikationen beim Hochschuljubiläumsfonds eingeworben. Mit diesen Arbeiten wurde die Digitalisierungsstelle der Universität Innsbruck betraut. Für die geplanten Archivrecherchen in Slowenien konnte der Historiker Mihael Petrovic aus Gottschee gewonnen werden. Frau Mag. Dörfler-Kogler arbeitet im Rahmen dieses Projektes an einer umfangreichen Bibliographie.

Sprachinselreise vom 25.-30. September 2014

(Bericht von I. und H. Wohlschlager)
Ziel der Exkursion war diesmal die Teilnahme an einer Sprachinseltagung in Lusern. Die Anreise auf die Hochfläche von Lavarone nahm einen ganzen Tag in Anspruch, doch gestaltete sich die Fahrt durch verschiedene Beiträge der Reiseteilnehmer recht kurzweilig. Mit dem Hotel du Lac in Lafraun/Lavarone hatten wir ein Quartier im Stil der Jahrhundertwende gewählt, in dem schon Sigmund Freud mehrere Sommerurlaube verbracht hatte. Ein malerischer See zu Füßen des Hotels lädt zu Spaziergängen ein.

Am folgenden Tag wurde die Festung Gschwent/Belvedere besichtigt, welche an einem schönen Aussichtspunkt über dem Valdastico gelegen ist. Das Festungswerk wurde durch das Kriegsgeschehen nur wenig in Mitleidenschaft gezogen und hat sich in den letzten Jahren zu einem Anziehungspunkt für Touristen entwickelt. Die verschiedenen Bauteile können über teilweise sehr düstere Gänge erkundet werden. Eine interessant gestaltete Ausstellung gibt Einblick in das harte Leben der damals dort untergebrachten Soldaten. Anschließend führte die Fahrt nach Asiago, dem Hauptort auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden. Der Rathaussaal mit seiner historischen Einrichtung und den großen Jugendstilgemälden stellt eine besondere Sehenswürdigkeit dar. Das monumentale Kriegerdenkmal auf dem Hügel Leiten nahe von Asiago erinnert mit Namenstafeln an die 54.000 in diesem Gebiet gefallenen Soldaten. Die Rückfahrt erfolgte über Roana und Rotzo auf einer kleinen Bergstraße hoch über dem Assatal.

Am nächsten Tag fand in Lusern die Tagung des „Einheitskomitees der historischen deutschen Sprachinseln in Oberitalien“ statt. Dieses Treffen vereinigt die Kulturverantwortlichen der deutschen Minderheiten vom Kanaltal im Osten bis zu den Walsersiedlungen im Westen. Die Teilnehmer der Exkursion wurden willkommen geheißen, manche folgten den Vorträgen und Diskussionen bis in die Abendstunden.

Der Kulturverantwortliche und frühere Bürgermeister von Lusern, Luigi Nicolussi-Castellan, führte die Gruppe durch das Dokumentationszentrum des Ortes. Dort erläuterte er nicht nur die Ausstellung zum Thema „100 Jahre 1. Weltkrieg“, sondern ging auch auf die aktuelle Situation der zimbrischen Sprache ein. Ein Teil der Gruppe unternahm anschließend eine Wanderung zur Festung Lusern, bei der gerade aufwändige Sanierungsarbeiten im Gange sind. Entlang des Weges wird auf künstlerisch gestalteten Tafeln das Schicksal einzelner Bewohner Luserns im 1. Weltkrieg sehr lebendig vor Augen geführt, wobei vor allem die Lebenszeugnisse der Kinder zu Herzen gehen. Die Texte sind in italienischer und zimbrischer Sprache verfasst.

Über den Kurort Levico sowie Borgo, Feltre und die aus dem 16. Jahrhundert stammende Planstadt Palmanova führte die Fahrt nach Görz, wo uns im Hotel Entourage (früher Palazzo Strassoldo) ein historisches Ambiente erwartete. Am Abend fand in der Altstadt ein kulinarisches Fest statt, welches die verschiedenen Kulturen der Grenzregion einander näherbringen sollte. Am nächsten Tag ging es auf slowenischem Gebiet in das Tal des Isonzo, das durch kriegerische Ereignisse traurige Berühmtheit erlangte. In Karfreit/Kobarid befindet sich ein vielfach ausgezeichnetes Weltkriegsmuseum, in dem den Besuchern auf sehr ausgewogene Weise das tragische Geschehen in dieser Region vor Augen geführt wird.

Vom Nachbarort Tolmein/Tolmin führt eine schwindelerregende Straße durch eine Schlucht nach Javorca. Dort findet sich auf einer Anhöhe die „Heiligengeistkirche“, ein Jugendstilbau des österreichischen Architekten Remigius Geyling. Auf hölzernen Tafeln sind die Namen vieler Gefallener (vor allem Ungarn) verzeichnet. Der Gegensatz zwischen den farbigen Jugendstilgemälden mit monumentalen Engelsdarstellungen und dem düsteren Tolminca-Tal wird den Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben.

Auch der letzte Reisetag bot einen besonderen Höhepunkt: Der Besuch der Adelsberger Grotte ist trotz des großen Touristenansturms immer noch ein eindrucksvolles Erlebnis. Auf der Rückreise durch Slowenien konnten sich die Reiseteilnehmer in der Raststelle Trojane mit den berühmten riesigen Krapfen stärken. Unserem Busfahrer, Herrn Wolfgang, ist an dieser Stelle für seine sichere Fahrweise auf den langen Autobahnstrecken und den teilweise ausgesetzten Bergstraßen zu danken.

Wissenschaftliche Zusammenarbeit

Vom Institut ISAL (Udine) und der Gemeinde Zahre wurde eine Broschüre zur Zahrer Rechtschreibung herausgegeben. Diese wurde von Frau Francesca Cattarin mit der Zahrer Gemeinschaft und der Vereinsvorsitzenden erarbeitet. Sie stellt eine wichtige Vorarbeit für die geplante Zahrer Grammatik dar.

Durch die Herausgabe der weiter oben erwähnten Broschüre gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Einheitskomitee der historischen deutschen Sprachinseln in diesem Jahr besonders erfolgreich.

Jahreshauptversammlung 2014

Auf der Hauptversammlung am 21.11.2014 wurde der Vorstand wieder gewählt. Der Mitgliedsbeitrag beträgt seit 2001 weiterhin unverändert € 20,-.

Vorsitzende:   HR Dr. Ingeborg Geyer
Stellvertreter:   HR Dr. Franz Grieshofer, Dir. des Volkskundemuseums i. R.
Schriftführerin:   Mag. Irene Wohlschlager
Stellvertreterin:   Mag. Andrea Plöchinger
Kassier:   MR Dr. Hans Wohlschlager
Kasser-Stellvertreter:   Mag. Siegfried Kogler
Rechnungsprüfer:   Prof. Dr. Dorothea Kribitsch, Dkfm. Heinz Langendorf
Beisitzer:   Univ.-Prof. Dr. Dieter Pohl
    Luis Prader
    OR Dr. Wilfried Schabus
    HR Dr. Margot Schindler
    Univ,-Doz. Dr. Manfred Skopec

Eine große Bitte:

Der Mitgliedsbeitrag 2015 bleibt unverändert € 20,-. Wegen der erwarteten zusätzlichen Ausgaben bitten wir um freiwillige Erhöhung bzw. Spenden auf unser Vereinskonto: IBAN = AT96 1200 0006 0121 8704 / BIC = BKAUATWW)

Ausblick 2015

Weiterhin vordringlich bleiben die Digitalisierung der Bibliothekskartei und die Fortführung unserer Publikationsreihe. Der Band 23 befindet sich im Korrekturdurchgang mit ausgewählten Beiträgen von den Sprachinseltagungen 2010 und 2011. Die Vereinshomepage muss nach mehr als 10 Jahren sowohl inhaltlich als auch technisch neu gestaltet und aktualisiert werden. Hier wird die Zusammenarbeit mit der Gottscheer Landsmannschaft und dem Einheitskomitee angestrebt.
Mit der Vorführung ausgewählter Video-Dokumentationen über Sprachinseln und Vorträgen zu Sprachinselforschung wollen wir unsere Mitglieder wieder regelmäßig zu Veranstaltungen einladen und neue Mitglieder gewinnen.
Besonderer Dank für die ehrenamtliche Mithilfe und Unterstützung im abgelaufenen Vereinsjahr gilt allen Vorstands-, Beirats- und Vereinsmitgliedern. Ohne die kontinuierliche finanzielle Unterstützung seitens des Bundesministeriums für Bildung und Frauen, für die wir unseren aufrichtigen Dank aussprechen wollen, wären die ständige Betreuung der Bibliothek und der Aufbau der weiteren Dokumentation über die Sprachinseln nicht möglich.
Der Vereinsvorstand wünscht ein gutes, gesundes Neues Jahr und freut sich auf weitere erfolgreiche Zusammenarbeit sowie zahlreiche Teilnahme an unseren Veranstaltungen. Die Mitglieder des Vereins erhalten die neue Sprachinselbroschüre als Jahresgabe. Weitere Bestellungen bitte an den Verein richten (Vorzugspreis € 7).

Dr. Ingeborg Geyer e.h.                                                                                     Mag. Irene Wohlschlager e.h.
       (Vorsitzende)                                                                                                                (Schriftführerin)
                                                                 Wien, im Jänner 2015

Vereinsnachrichten 2014 als PDF zum Download

news2014.pdf (649,9 KiB)

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