Neues vom Sprachinselverein Wien

Unsere Vereinsnachrichten

Vereinsnachrichten 2018

von Heike Arnold (Kommentare: 0)

Rückblick 2018

Der Verein der Sprachinselfreunde in Wien hat sein 45-jähriges Vereinsjubiläum zum Anlass genommen, nach 5 Jahren wieder eine internationale Tagung zu organisieren und sich dem Thema Sprachinselforschung heute zu widmen (23.-24. November 2018).

Die Vorsitzende konnte ein interessiertes Publikum und zahlreiche Vertreter befreundeter Vereine begrüßen. Zum Auftakt gaben Repräsentanten der Sprachinselgemeinschaften kurze Einblicke zum Stand der Minderheitenrechte dieser Gruppen. So referierten Luis Prader für das Sprachinselkomitee in Oberitalien, DI Karl Hönigmann für die Gottscheer Arbeitsgemeinschaft und Prof. Rudolf Schramek für die deutschen Kulturvereine in Tschechien.

Nach einem Rückblick auf 45 Jahre Vereinstätigkeit, bei dem auch wieder der Gründungsgedanke thematisiert wurde, folgten 12 Beiträge von Referenten von acht Universitäten aus Deutschland, Italien, Tschechien und Österreich sowie Herrn Michael Petrovic aus Gottschee.

Das Thema Sprachinselforschung wurde aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet. In diesen eineinhalb Tagen konnten die Zuhörer gewissermaßen eine Weltreise absolvieren, von den Hutterern in Nordamerika bis zu einem Land am Ende der Welt, wie Herr Petrovič seine ausführliche Darstellung über die Gottschee übertitelte.

Junge engagierte Wissenschaftler stellten ihre Forschungsprojekte zu einzelnen Sprachinseln in Oberitalien vor und zeigten, wie alte Dokumente und Aufzeichnungen sowie Tonaufnahmen aus unterschiedlichen Zeitabschnitten mit neuen technischen Möglichkeiten sehr exakt überprüfbar sind. Durch genaues Hinhören und tontechnisches Vermessen ist es möglich, das Auftreten und wieder Verschwinden solcher Phänomene neu zu interpretieren. Die technisch und linguistisch aufbereiteten Materialien werden über eine Plattform den Sprachinselbewohnern und der Forschung zur Verfügung gestellt. Auch die Frage nach der Relevanz von Sprachinselforschung für die Sprachforschung wurde in einem Beitrag eindeutig bejaht. Ein Vortrag über die linguistische Landkarte von Werischwar hat aufgezeigt, wie die ursprüngliche Mehrsprachigkeit eines Dorfes mit Hilfe von Beschilderungen heute sichtbar gemacht werden kann.

Die Beiträge über die Hutterer bzw. die Böhmerwäldler Aussiedler in Übersee haben gezeigt, wie differenziert sich die rezente Situation der deutschbasierten Minderheiten darstellt und wie unterschiedlich die gesprochenen Varietäten zu einer besonderen Identitätsbildung beitragen. Es wurde darauf hingewiesen, dass die aktuelle Sprachinselforschung und ihre Perspektiven zutreffender mit dem Terminus „Sprachsiedlungsforschung“ beschrieben und erfasst werden können. Das trifft auch auf die Bewohner der einst großen Sprachinsel Gottschee zu, die heute weltweit verstreut und in den neuen Siedlungsgebieten durch Gottscheer Vereine miteinander verbunden sind.

Alle Beiträge sorgten für rege Diskussionen und Erfahrungsaustausch. Wie viel persönliches Engagement in den einzelnen Sprachinseln zur Pflege und zum Erhalt ihrer Sprache bzw. ihrer ortsverbundenen Identität einfließt, kam bei der Vorstellung der „lebendigen Sprachinseln“ in Oberitalien deutlich zum Ausdruck.

Am Ende der Tagung wurde einhellig der Wunsch geäußert, die Tradition der Sprachinseltagung weiter zu pflegen und so dem Zweck des Vereins, nämlich auf wissenschaftlicher Grundlage beruhende Obsorge und Pflege der von Österreich aus im Mittelalter in Nachbarländern angelegten Bauernsprachinseln, in denen heute noch alt-österreichische Idiome als Haussprache erhalten sind, Folge zu leisten.

Wie auch schon die Jahre davor hat die Familie Wohlschlager wieder eine Reihe interessanter Filme organisiert: Am 28. Februar „Grenzgänge – Eine Sudetendeutsche Spurensuche“ von Wolftraud de Concini, die seit 1964 in der Region Trentino/Südtirol lebt und als Publizistin und Fotografin mehrere Bücher über Sprachinseln und andere Minderheiten verfasst hat. Am 18. April führte uns ein kultur- und sprachgeschichtlich interessanter Film „Ohne diese Welt“ in eine vergessene Region im Norden Argentiniens, wo heute noch eine Gruppe von deutschsprechenden Mennoniten wie im 18. Jahrhundert lebt. Am 12. September war ein Besuch im Fleimstal angesagt. Es ging um die wechselvolle Geschichte der Fleimstalbahn Auer - Predazzo (1891 – 1963) und um das Gewürz „Safran – ein Alpengold“, welches neuerdings in diesem Tal angebaut wird. Am 10. Oktober wurde „Quellmalz“ – Ein Dokumentarfilm von Mike Ramsauer gezeigt, ein Filmprojekt aus Anlass „75 Jahre Option“. Alle Filmabende waren von regen Diskussionen begleitet, wie auch der Vortrag am 13. Juni von Razvan Motzu: „Zur Identität der Sathmarer Schwaben in Rumänien“, der an Hand der Besiedlungsgeschichte u.a. die kulturelle Vielschichtigkeit thematisierte.

Auch 2018 nahm die Vorsitzende wieder an Konferenzen teil, so im November an der Universität Augsburg zu Sprachkontaktforschung und an der Universität Udine zur historischen Sprachforschung. Dort hielt Dr. Geyer einen Vortrag über Methoden der Sprachinselforschung der Wiener dialektologischen Schule. Die Vorsitzende besuchte auch diesmal wieder Veranstaltungen befreundeter Vereine, etwa die Jahrestagung des Sprachinselkomitees in Formazza Anfang Juni und die 53. Gottscheer Kulturwoche auf Schloss Krastowitz Anfang August.

Die Homepage des Vereins wurde im abgelaufenen Jahr wieder von Frau Heike Arnold betreut und aktualisiert. Die Bibliographie der wichtigsten aktuellen Sprachinselpublikationen wurde erweitert und ins Netz gestellt. Die Homepage erfreut sich vieler Zugriffe, die zu vermehrten Anfragen über einzelne Sprachinseln führen. Auch die Ankündigung des Symposiums in deutscher und italienischer Sprache hat zu erfolgreicher Mitgliederwerbung geführt.

Die Hauptversammlung wurde statutengemäß am 23.11. 2018 durchgeführt. Dabei wurde der Vorstand wiederbestellt. Da die Unterlagen für die Rechnungsprüfung zu diesem Zeitpunkt noch im Ministerium zur Prüfung auflagen, musste die Sitzung unterbrochen werden. Die Versammlung wurde auf 20.Februar 2019 vertagt.

Der Mitgliedsbeitrag 2019 bleibt unverändert € 20,--. Spenden werden gerne entgegengenommen. Wir bitten um Überweisung auf das Vereinskonto: BIC = BKAUATWW, IBAN = AT96 1200 0006 0121 8704

Ausblick 2019

Am 20. Februar 2019 muss die Hauptversammlung, die am 23.11. 2018 statutenkonform abgehalten wurde, wieder aufgenommen werden, wobei der Kassabericht bzw. die Kassaprüfung durchgeführt werden. Ebenso soll in diesem Rahmen über die weitere Vereinstätigkeit beraten werden.

Es ist geplant, den Bibliotheksbestand nach Maßgabe der finanziellen Mittel weiter digital zu erfassen. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Vereinen, welche die Pflege bzw. Erforschung der gesprochenen Sprache im historischen Österreich zum Ziel haben, wird weitergeführt. Die Beiträge der Tagung im November sollen als Band 25 der Sprachinselreihe herausgegeben werden, wobei auch die Übersetzung einzelner Texte ins Italienische vorgesehen ist.

Besonderer Dank für die ehrenamtliche Mithilfe und Unterstützung im abgelaufenen Vereinsjahr gilt allen Vorstands-, Beirats- und Vereinsmitgliedern. Ohne die kontinuierliche finanzielle Unterstützung seitens des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung, für die wir unseren aufrichtigen Dank aussprechen wollen, wären die ständige Betreuung der Bibliothek und der Aufbau der weiteren Dokumentation über die Sprachinseln nicht möglich. Auch die Organisation des Symposiums wurde vom Ministerium finanziell unterstützt.

Der Vereinsvorstand wünscht ein gutes, gesundes Neues Jahr und freut sich auf weitere erfolgreiche Zusammenarbeit sowie zahlreiche Teilnahme an unseren Veranstaltungen.

Dr. Inge Geyer e.h. (Vorsitzende)                     Mag. Irene Wohlschlager e.h. (Schriftführerin)

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