Neues vom Sprachinselverein Wien

Unsere Vereinsnachrichten

Vereinsnachrichten 2020

von Heike Arnold

Rückblick 2020

Im Jahr der Pandemie konnte die Vereinstätigkeit nur im ersten Quartal des Jahres 2020 in gewohnter Weise wahrgenommen werden, und zwar mit der Videodokumentation einer Aufführung der „Schwäbischen Hochzeit“, verbunden mit einem Rückblick auf die Ungarnfahrt unseres Vereins im Mai 1994. Die geplanten Vorträge zum Schwerpunkt Sprachinselforschung in Ungarn wurden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und können hoffentlich in der zweiten Jahreshälfte 2021 nachgeholt werden.

Auch die Zusammenarbeit mit Vereinen, welche die Pflege bzw. Erforschung der gesprochenen Sprache im historischen Österreich zum Ziel haben, konnte nur eingeschränkt fortgeführt werden. Alle Jahrestagungen und persönlichen Treffen sowie eine Studienreise ins Laimbachtal mussten abgesagt bzw. verschoben werden.

So lag der Schwerpunkt der Sprachinsel-Aktivitäten dieses Jahr in der Publikationstätigkeit. Im Frühjahr 2020 wurde auf Anregung von Luis Prader das Juliheft der Zeitschrift „Der Schlern“ den Tiroler Siedlungen im nordwestlichen Slowenien gewidmet, ausgehend von einer aktuellen wissenschaftlichen Siedlungsgeschichte der Sprachinsel Zarz von Miha Markelj. Diese an der Universität Laibach verfasste Arbeit wurde auf Initiative und mit Unterstützung der österreichischen Botschafterin in Laibach, Frau Dr. Sigrid Berka, ins Deutsche übersetzt. Herr Miha Markelj hat uns im September ein Video mit dem Titel „Herbstgruß“ von einer traditionellen Kulturveranstaltung aus der Zarz geschickt, in der die alte Sprache präsentiert wird: https://gofile.me/3Bh49/cr0iFhBd8. Dies ist bemerkenswert, wird doch der Zarzer deutsche Dialekt in der einschlägigen Literatur schon seit etwa 1900 als nicht mehr aktiv in Verwendung beschrieben. Von dieser jüngsten Publikation angeregt, wurde auch eine Sendung über die Zarz von MINET gestaltet, die über Vermittlung von Luis Prader und unseren Vereinen unter Mitwirkung von Herrn Markelj entstand. Diese Sendung ist nachzuhören unter: https://www.deutschesprachinseln.de/de/id-10-2020_zarz-sorica.html

Nun zur Sprachinsel Zahre/Sauris in Oberitalien: Es ist sehr erfreulich und bemerkenswert, dass für die dortige regionale Sprachvarietät kürzlich in Eigeninitiative eine verbindliche Rechtschreibung und Grammatik in Buchform vorgelegt wurde: „Learn de zahrar sproche“[1]. Das Projekt wurde vor zehn Jahren von ISAL angeregt, vom Verein der Sprachinselfreunde und dem Einheitskomitee der historischen deutschen Sprachinseln in Italien sowie von den Verantwortlichen der Gemeinde Sauris unterstützt und getragen.

Die Autorin, Francesca Cattarin, konnte dabei auf ihre früheren Studien und die umfangreichen wissenschaftlichen Arbeiten von Norman Denison sowie auf zahlreiche Dokumentationen, geistliche und weltliche Literatur in der Zahrer Sprache zurückgreifen. Außerdem gelang es ihr, mit engagierten Vertretern des Zahrer Kulturvereins und der örtlichen Lehrerschaft eine Rechtschreibung und eine Grammatik für die Zahrer Sprache zu erarbeiten.

Während die Darstellung der einzelnen Grammatik-Kapitel auf die Erlernung einer Sprache ausgerichtet ist, der das Neuhochdeutsche als Referenzsprache zugrunde gelegt wird, analysiert Francesco Costantini in einer detaillierten wissenschaftlichen Arbeit („Aspetti di linguistica saurana“ [2]) die Entwicklung der Lautung und Grammatik durch den Vergleich von älteren schriftlichen Quellen mit aktuellen Sprachaufnahmen. Er geht besonders auf die kontaktsprachlichen Phänomene der Zahrer Syntax ein, die sich aus der jahrhundertelangen mehrsprachlichen Situation heraus entwickelt und in der gesprochenen Sprache manifestiert haben und ständig weiter entwickeln.  

Es ist zu hoffen, dass diese Arbeiten sowie all die wissenschaftlichen Studien, welche derzeit in den oberitalienischen Sprachgemeinschaften durchgeführt werden, die Bemühungen zum Erhalt der gesprochenen Dialekte unterstützen können, und dass Wörterbücher sowie Grammatiken erfolgreich zum besseren Verständnis und zur Wertschätzung der einzigartigen Idiome beitragen.

 

[1] Cattarin, Francesca: Learn de zahrar sproche. Grammatica della lingua saurana (ISAL, Zahre 2020)

[2] Costantini, Francesco: Aspetti di linguistica saurana (Lingue, culture e testi Collana diretta da Vincenzo Orioles, Roma 2019)

Ausblick 2021

Die digitale Aufbereitung des Bibliothekskatalogs wird wieder aufgenommen und die redaktionelle Bearbeitung des Tagungsbands abgeschlossen. Ein wichtiges Ziel bleibt die Kooperation mit den befreundeten Vereinen und wissenschaftlichen Instituten. Die Homepage soll als solide Informationsquelle gepflegt und ausgebaut werden. Der Vorstand wird weiterhin die Anliegen der Sprachinseln unterstützen und sie in ihren Bemühungen um den Erhalt ihrer Sprache und Kultur ermutigen und fördern.

Um unsere Aktivitäten durchführen zu können, bitten wir Sie wieder um Ihre Unterstützung.

Der Mitgliedsbeitrag 2020 bleibt unverändert € 20,--. Spenden werden gerne entgegengenommen. Wir bitten um Überweisung auf das Vereinskonto:

BIC = BKAUATWW, IBAN = AT96 1200 0006 0121 8704

Besonderer Dank für die ehrenamtliche Mithilfe und Unterstützung im abgelaufenen Vereinsjahr gilt allen Vorstands-, Beirats- und Vereinsmitgliedern. Ohne die kontinuierliche finanzielle Unterstützung seitens des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung, für die wir unseren aufrichtigen Dank aussprechen wollen, wären die ständige Betreuung der Bibliothek und der Aufbau der weiteren Dokumentation über die Sprachinseln nicht möglich. Der Schriftleitung der südtiroler Kulturzeitschrift „Der Schlern“ und der Athesia Druck GmbH sowie der Raiffeisenbank Südtirol danken wir für die kostengünstige Bereitstellung der Schlernhefte als Jahresgabe für unsere langjährigen und verdienten Mitglieder.

Die Pandemie hat uns allen die Qualitäten der vorherigen Normalität erst deutlich gemacht: die Möglichkeit, ins Theater, Kino, Café oder zu Vorträgen zu gehen, unsere Freunde in den Sprachinseln zu besuchen oder sie bei uns begrüßen zu können.

In diesem Jahr haben wir uns an „Home-Office“, „Lockdowns“, an „Distance Learning“ und einen Alltag in Abgeschiedenheit gewöhnt. Die vorherige Normalität erscheint zunehmend als „Welt von gestern“. Schließen wir uns daher dem Aufruf in der Tischlbongar Zeitung an:

boartndar beisara zaitin! (Warten wir auf bessere Zeiten!)

Der Vereinsvorstand wünscht ein gutes, gesundes Neues Jahr und freut sich auf weitere erfolgreiche Zusammenarbeit sowie zahlreiche Teilnahme an unseren Veranstaltungen.

Dr. Inge Geyer e.h. (Vorsitzende)                     Mag. Irene Wohlschlager e.h. (Schriftführerin)

Geplante Termine 2021

Geplante Vorträge (voraussichtlich Herbst 2021)

Kamingespräch mit Frau Enikő Hoppa über: Cimberek, mokenek, karintiaiak, walserek

Eine soziolinguistische Studie, durchgeführt in den Sprachinseln Oberitaliens in den Jahren 2013 und 2015.

Vortrag in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis der Wiener Altgermanisten Wien Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Knipf Komlósi: Spracherhaltungsstrategien in der globalisierten Welt bei der deutschen Sprachminderheit in Osteuropa (Ungarn)

Hauptversammlung des Sprachinselvereins mit Präsentation des Tagungsbandes

Besuch des Zahrer Kulturvereins

Die Vorschau auf weitere Termine unserer befreundeten Organisationen entnehmen Sie bitte den Webseiten:

www.sprachinselverein.at; www.deutschesprachinseln.de/de/

in Vorbereitung:

Jahrestagung des Einheitskomitees der historischen deutschen Sprachinseln in Italien in Sappada/Plodn

Reisen zu den Zimbern, veranstaltet vom Bayerischen Zimbernkuratorium

Gottscheer Wallfahrt nach Maria Trost

55. Gottscheer Kulturwoche

 

Reisegruppe auf dem Weg zur Überfahrt nach Deutschpilsen mit der Donaufähre bei Visegrád
Reisegruppe auf dem Weg zur Überfahrt nach Deutschpilsen mit der Donaufähre bei Visegrád
Szentendre_Kutschenfahrt zum ethnographischen Freilichtmuseum
Szentendre: Kutschenfahrt zum ethnographischen Freilichtmuseum
Vor dem Ziehbrunnen beim Freilichtmuseum
Vor dem Ziehbrunnen beim Freilichtmuseum

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